GEORG HENISCH - Teütsche Sprach vnd Weißheit, Augsburg 1616 - abgeschlossen
Henisch ist der erste der hier vorgestellten Lexikographen, der das deutsche Stichwort zunächst mit einem deutschen Synonym erläutert: Aber / sonder / sunder. Es folgt eine Funktionsbestimmung, bevor der weiterhin obligatorische Verweis auf das Lateinische und seine Entsprechungen erfolgt; auch das Griechische wird angeführt. Wie im Calepinus wird dann für eine Reihe europäischer Sprachen die Übersetzung von aber angegeben - die Sprachen sind noch die gleichen, nur ist das Italienische durch das Böhmische (d.h. Tschechische) ersetzt.
Bei der Auflistung der nachfolgenden Beispiele wird klar, daß auch bei Henisch von einem Primat der deutschen Sprache nur bedingt die Rede sein kann: Die Beispiele sind nach den lateinischen Entsprechungen geordnet; sie werden sogar mit einer Angabe zur lateinischen Syntax eröffnet: At wirdt im anfang gebraucht. In einem Beispielsatz kommt aber überhaupt nicht vor: Eintweder sterben / oder wa nicht / doch zum wenigsten in etlicher hoffnung leben.

Henisch gibt erstmals einen redensartlichen Gebrauch an (mit Pro. für lat. proverbium gekennzeichnet): Es ist kein mensch ohn ein aber. Darüber hinaus verzeichnet er mehrere Kompositionsbildungen: Neben dem schon bei Dasypodius verzeichneten Stichwort Aberglaube und seinen Ableitungen führt er auch abermal und Aberwitz an.
