Wilhelm von Humboldt an Franz Bopp, 27.05.1823 (Datierung unklar)
|1*| Ich finde eben wieder einen Fall des sogenannten Part. indeclin. der mir sehr merkwürdig scheint. Ich schreibe Ew. Wohlgeboren die ganze Stelle ab, weil ich glaube, daß Sie keinen Ramayana bei sich haben.
I. 21. sl. | 22. |
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23. |
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24. |
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Wie soll man hier sl. 23. u. 24. a. construiren? Das Subject geht hier, wie öfter in diesen Constructionen, vom Singular zum Plural über. „Nachdem Kuśika’s
Sohn zusammengeknüpft (vollendet) hatte alle Geschäfte eines geistlichen
Lehrers, brachten die drei freudig dort die Nacht zu.“ Wenn {kuśikātmajaḥ} stände so wäre es
ebenso wie in der Stelle des
Nalas, wo gesagt wird daß indem Nalas bei der Damaianti stand,
beide glücklich waren. Hier |2*| aber steht der Locativus, als hieße es
{niyojate}
{kuśikātmaje}. Dies Part. indeclin. wird daher hier wirklich ganz als ein
declinirtes Part. behandelt. Halten Sie aber die
Lesart für richtig, oder sehen Sie einen andern Ausweg?
Noch muß ich bei der ganzen Stelle bemerken. Bei {uṣ}
finde ich gar nicht die Bedeutung „zubringen“, „sich aufhalten“, doch ist mir,
als wäre sie mir sonst vorgekommen.
Die ersten Worte des letzten Verses kann man doch wohl nicht anders übersetzen
als: „<von> den beiden nach der Rede des Sohnes des K. Verlangenden“. Doch weiß ich nicht, woher das lange {ā} hier in das Part. von
{lal} kommt, da hier nicht
der Sinn eines Causalen Verbum eintritt. Die Engländer
übersetzen protected by the son of K. Das finde ich aber
gar nicht. <Ich construire nemlich: Die Nacht
glänzte freudig vor den beiden treflichen Söhnen Daśarathas (der Ablat. oder besser wohl
der Instrum.) welche da verlangten die Rede des
Sohnes K. u. welche also zubrachten in dem
ungeziemenden (nemlich für ihre Erhabenheit zu demüthigen)
Graslager.>
Ich hoffe Ew. Wohlgeb. sind neulich gut in der Stadt angekommen u. danke Ihnen nochmals für den angenehm zugebrachten Tag.
Mit herzlicher HochachtungIhr
H.
27.[a]
|3* vacat, links große Fehlstelle im Bogen durch Öffnen des Siegels|
|4*|
An
Herrn Professor Bopp,
Wohlgeb.
in
Berlin.