Franz Bopp an Wilhelm von Humboldt, 17.10.1832
Excellenz!
Vorgestern wieder hier eingetroffen, war gestern mein erster Gang, mich nach dem
Wohlbefinden Ew. Excellenz zu erkundigen, in der angenehmen Hoffnung, Ew.
Excellenz vielleicht selbst hier zu finden. Eine inzwischen von mir erschienene
Abhandlung habe ich in Ihrer Wohnung zurückgelassen
und bitte derselben eine geneigte Aufnahme zu schenken. Von meiner vergleichenden Grammatik sind bereits 6 Bogen gedruckt,
die ich mich beehre Ew. Excellenz hiermit zu gelegentlicher Prüfung zu
überreichen. Ihre vortreffliche Arbeit über die
Kavi-Sprache habe ich vor meiner Abreise zu lesen angefangen und bin
bis S. 133 gekommen. Ich bewundere die äußerst gründliche umfassende und
gedankenreiche Behandlung ihres Gegenstandes. Man kann nur überall beipflichten,
namentlich muß ich bemerken, daß mich auch die Herleitungen aus dem Sanskrit
sämmtlich überzeugt haben. S. 10 kommt das Wort
saben vor, wobei mir {sarva} einfiel, doch nur ein flüchtiger Einfall, da ich das Wesen
dieser Sprache noch zu wenig kenne, und erst die Folge Ihres
Werkes, der ich mit größter Spannung
entgegensehe, abwarten muß. – In Bezug auf die Wittwenverbrennung erlaube ich
mir zu bemerken, daß im Maha-Bharata ein, ich glaube
nur einziger Fall derselben vorkommt, den ich in meinem Conjugations-System S. 240 erwähnt habe. – Haben Ew. Excellenz
vielleicht einen Tag bestimmt, wo sie zur Stadt kommen, so bitte ich mich
gnädigst die Stunde wissen zu lassen, wo ich Ihnen aufwarten könnte. Ich wünsche
nichts sehnlicher als Ew. Excellenz baldmöglichst in gutem Wohlseyn wieder zu
sehen. Graff haben wir nun zum Mitgliede der
Akademie vorgeschlagen und die Wahl in der
Klassensitzung wird wahrscheinlich am 29sten d.
M. statt haben.
ganz gehorsamster
Bopp.
Berlin, den 17. October 32.