Wilhelm von Humboldt an Franz Bopp, 19.02.1833
Ich danke Ihnen sehr, theuerster Freund, für Ihre gütige Auskunft über meine neuliche Frage und glaube jetzt durch Ihre und Wilckens Belehrung gewiß zu sein, daß das Wort ywang weder Sanskritischen noch Arabischen Ursprungs ist.
Ich bin so frei Ihnen ein Stück des wichtigsten Kapitels des
ersten Theils meiner Schrift zuzuschicken. Ich bitte
Sie um eine recht ernsthafte Durchsicht desselben, und Sie können nicht glauben,
wie dankbar ich den wahren Freundschaftsdienst erkennen werde, den Sie mir
dadurch zu |Humboldt|
erzeigen |
Schreiber| im Stande sind.
Obgleich mir jede Art der Berichtigung gleich willkommen sein wird, so wünsche
ich doch Ihre Aufmerksamkeit vorzüglich darauf zu richten, daß man mir keine
Unkunde des Sanskrits vorwerfen
könne, also kein Uebersehen von
Wörtern oder Formen, an die ich mich hätte erinnern sollen und keine Irrthümer
bei den aus dem Sanskrit gebrauchten Wörtern. Niemand kennt so gut, als ich, die
Schranken meines Sanskritischen Wissens und es fehlt gewiß nicht an Personen,
die auf gegebene Blößen aufmer-
aufmerken; |sic| daher ist meine Besorgniß nicht ungegründet. Ich möchte
Ihnen auch die Aufmerksamkeit auf die lateinische Schreibung der Sanskritwörter
empfehlen, so klein die Sache auch scheint. Ich lege deshalb die Grundsätze bei, denen ich gefolgt bin und bitte Sie dies
Blatt mir nicht wieder zu schicken, sondern zu behalten.[1] Wo ich darin von Ihrer Methode abgewichen bin,
ist es nur meines besonderen Zwecks wegen geschehen, nicht weil ich sie im
allgemeinen mißbilligte. Wo ein Sanskritwort, auch ohne alle Veränderung, als
ein in das Javanisch aufgenommenes erscheint, wie
|
Humboldt| kala |
Schreiber| und andere, lasse ich alle Bezeichnung
der Sanskritischen Eigenthümlichkeit der Laute weg. Wenn Sie es mir gütigst
erlauben und ich Ihnen nicht zu beschwerlich falle, so schicke ich Ihnen, sowie
ich ein Stück von Ihnen zurück erhalte, immer ein anderes wieder.
Damit Sie auch die Folge der ganzen Schrift übersehen können, lege ich auch ein Inhalts-Verzeichniß des ersten Buches bei, das ich jetzt zuerst werde drucken lassen. Es ist ganz fertig, nur noch nicht ganz ins Reine geschrieben. Das dritte Kapitel desselben, von dem Sie jetzt den Anfang erhalten, ist das letzte darin. In den beiden ersteren, viel kürzeren, die Sie zum Theil schon gesehen, habe ich noch etwas zu ändern.
Das zweite Buch wird die Grammatik der Kavisprache enthalten, es ist ganz fertig und abgeschrieben. Da ich aber erst später die Javanische Urschrift des einzigen uns vorliegenden Kavi Gedichtes erhalten habe, so muß ich es mit dieser noch einmal genau durchgehen.
Das dritte Buch enthält eine, jedoch nur ganz allgemeine Uebersicht des grammatischen Baues der Malayischen Sprachen. Es ist so gut als vollendet.
Bei den Bemerkungen, welche Sie die Güte haben werden zu machen, bitte ich Sie die Seitenzahl zu citiren. Ich bedaure wahrlich Ihnen so viele Mühe zu verursachen. Sie haben aber schon bisher meine Spracharbeiten durch Aufmunterung, Theilnahme und Belehrung so wesentlich unterstüzt, daß ich jetzt gleichfalls auf Ihre Theilnahme und Nachsicht bei dem Unternehmen was mein größestes bisher gewagtes ist und gewiß mein letztes sein wird, rechnen zu dürfen hoffen kann.
Ich lege Ihnen noch, bester Freund, einen Brief von Stenzler und einen von Rosen[a] bei, da beide manche Sie vielleicht interessirende Notizen enthalten. Sie werden finden, daß Rosen mir zwei Erinnerungen gegen meinen letzten Aufsatz im Asiatischen Journal macht. Das Wort titau war mir wirklich unbekannt. Es scheint mir aber auch daß diese einzelne Ausnahme wenig bedeutet, und daß es immer im allgemeinen wahr bleibt, daß in der Mitte der Sanskritwörter nicht zwei Vokale auf einander folgen.
Empfangen Sie die erneuerte Versicherung meiner herzlichsten und hochachtungsvollsten Freundschaft.|

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An
Herrn Professor Bopp Wohlgeboren in Berlin.