Franz Bopp an Wilhelm von Humboldt, 29.05.1833
Ew Excellenzhabe ich die Ehre zu bemerken daß ich sehr gerne eine Durchsicht des Drucks der
bewußten Stelle übernehmen werde, so wie von allem was Ew Excellenz für gut
finden mir durch Hrn Buschmann zukommen zu lassen. Doch glaube ich im August
eine Reise nach dem Rhein anzutreten. Um {citāgni}
ganz wirklich zu geben muß es allerdings Feuer des Scheiterhaufens heißen. Bei
{patyuḥ} aber ziehe ich die
Uebersetzung Gatten vor. Ich meinte nämlich nicht daß
anganâh patyuh die Gemahlinnnen des
Gatten, sondern daß beide Wörter zusammen ungefähr soviel als den Begriff der
Gemahlinnen ausdrücken sollten, weil
angana für sich Frau im allgemeinen,
femina nicht
uxor bedeutet. Auch steht
pati, soviel ich mich jetzt erinnere,
meistens nur am Ende von Compositen für Herr, wie
{mahīpati}. –
{śarabhaṅga} ist an gedachter
Stelle des
Ram. wohl eigener Name; vielleicht derselbe
mit
{śarabha}, nach
Wilson „a monkey in Rama’s
army.“
Ew Excellenz
ganz gehorsamster
Bopp
Berlin den 29. Mai 1833
Sr Excellenz
Herrn Geheimen Staats-Minister
Freiherrn W. v. Humboldt
in
Tegel
|Anhang|
|Schreiber| Beilage von Herrn Professors Bopp
Hand |
Humboldt| zu S. 120.
e.[a]
|Bopp|
{śvobhūte}
{’tha}
{tataḥ}
{śaurir}
{vasudevaḥ}
{pratāpavān}
{muttvā} "
{tmānam}
{mahātejā}
{jagāma}
{gatim}
{uttamām}
{yas}
{tu}
{deśaḥ}
{priyas}
{tasya}
{jīvato}
{’bhūn}
{mahātmanaḥ}
{tatra} ....
{pitṛmedham}
{pracakrire}
{tañ}
{citāgniṅ}
{gataṃ}
{vīraṃ}
{śūraputraṃ} [1]
{varāṅganāḥ}
{tato}
{’tvāruruhuḥ}
{panyuś}
{catasraḥ}
{patilokagāḥ}
{taṃ}
{vai}
{ca}
{tasṛbhiḥ}
{strībhir}
{anvitam}
{pāṇḍunandanaḥ}
{adāhayac}
{candanaiś}
{ca}
{gandhair}
{uccāvacair}
{api}
{tataḥ}
{prādurabhūc}
{chandaḥ}
{samiḍasya}
{vibhāvasoḥ} [b]
{sāmagānāñ}
{ca}
{nirghoṣo}
{narāṇāṃ}
{rudanām}
{api}
Das erste Sloka würde ich so übersetzen:
Am folgenden Tage ging dann des Sûra Sohn Wasudêva, der erhabene, glanzvolle, aufgegeben habend den Geist, den höchsten Gang.
Dieses Slo. schließt sich aber nicht unmittelbar an die folgenden an|.| Von den zwischen stehenden Versen habe ich aber
keine Abschrift. {śvobhūte} heißt wörtlich „als
es morgen (eras)
geworden war|.| Wahrscheinlich soll es heißen daß
Vas. am Tage darauf, nachdem Ardschunas zu ihm gekommen, seinen Geist aufgab. In der Savitri IV. 9 steht der
Ausdruck
{śvobhūte} (oder auch getrennt
{śvo}
{bhūte}) in etwas anderem
Sinne –
{śvo}
{bhūte}
{maraṇe} bei morgen seiendem
Tode d. h als die Zeit gekommen war wo morgen des Gatten Tod eintreffen
sollte.
Sl. 2. zwischen tatra und pitṛmêdham fehlt ein Wort ode |sic| 6 Sylben die mir in der Handschrift nicht deutlich waren.
Sl. 3.
varânganâ: heißt vorzügliche Frauen
( {aṅganā} Frau) und
{patyuś} würde ich lieber im
Sinne von Gatten nehmen. „ Ihm dem zum
Scheiterhaufen gelangten … stiegen hierauf nach vier vorzügliche Frauen des
Gatten (= vier vorzügliche Gemahlinnen), in des Gatten Welt zu gehen.
4 Das Wort womit {anvitam} übersetzt ist, ist
mir nicht deutlich „den begleitenden, oder verbundenen“
{uccāvaca} heißt mannigfaltig „und mit vielartigen Wohlgerüchen“. Daß ich
{ca}
{tasṛbhiḥ} getrennt habe ist
ein Schreibfehler. Das τ von τέσσαρες oder τέτταρες halte ich für den Vertreter des
{ca}
wie in πέντε
5. b. {sāmagānām} würde ich von
{nirghoṣa} abhängig machen.
„und der Hymnensingenden Getön und der weinenden Menschen.“
{samiddha} ist allerdings von
{indh}
|Schreiber| 1. An den |sic| günstigen vierzehnten Tage
der dunklen Monats-Hälfte darauf ging der Sohn Sûra’s Warudêwa der Erhabe|n|e
|
Humboldt| Ruhmbekrönte |
Schreiber| seinen Geist
|
Humboldt| (vom Irdischen) befreiend |
Schreiber| den heilvollsten Gang
2. Welcher Ort dem |Humboldt| lebenden |
Schreiber| Großherzigen geliebt
|
Humboldt| war, |
Schreiber| an dem brachten sie ihm das Opfer der
Väter.
3. Ihm dem in das Feuer des Scheiterhaufens gegangenen
|Humboldt| Helden,
|
Schreiber| dem Sohn Sûra’s, stiegen darauf nach des Herrschers vier lieblich gebildete, in des
Gatten Welt eingehende (Gemahlinnen.)
4.
Den
also von seinen vier Frauen
|Humboldt| Erreichten ließ der Sohn Pându’s verbrennen mit Sandal Holz |
Schreiber| und Gerüchen und lautem Zuruf.
5. Darauf erscholl das Geräusch des angezündeten Feuers und der
|Humboldt| Brahmanen, |
Schreiber| auch der Laut der weinenden Männer
|Humboldt| Sl. 1, b. |
Schreiber| Setze ich vielleicht besser statt seinem Geist bloß sich?
|Humboldt| Sl. 3. |
Schreiber| In diesen beiden Versen finde ich eine
kleine Schwierigkeit darin, daß das Wort Gemahlinnen ganz fehlt und vermuthlich
bloß in dem Beiwort
patilôkaga gesucht werden muß
|Humboldt| Sl. 4. |
Schreiber| Sollten Sie sich nicht in dem ersten
Verse dieses |
Humboldt| Slôka |
Schreiber| verschrieben haben? Sie haben das
{ca} getrennt von
{tasṛbhiḥ}
und ich finde jetzt gar keine Erklärung für das letzte allein, da
beide jetzt getrennten Wörter zusammen der richtige
|
Humboldt| Instrumentalis |
Schreiber| der Zahl vier sind. Dabei fällt mir ein
daß |
Humboldt| τέσσαρες |
Schreiber| offenbar das Sanskritwort ohne die
Anfangssilbe ist. Wenn es richtig ist haben Sie es gewiß längst bemerkt.
|Humboldt| Sl. 5. |
Schreiber| Erscholl habe
ich gesetzt für wurde offenbar. Das vorletzte Wort
des ersten Verses soll doch |
Humboldt|
{samiddhasya}, samiddhasya, |
Schreiber| das
Participium Passivi der Wurzel |
Humboldt|
{indh} |
Schreiber| sein?
Fußnoten
- 1 |Bopp|
- a |Editor| Die Beilagen zu diesem Brief vom 29. Mai 1833 sind offenbar im vorausgehenden Briefwechsel hin- und hergesandt worden. Das Blatt 34 mit dem Abschnitt aus dem 16. Gesang des Mahabharata gehört ursprünglich zu Bopps Brief vom 12. Mai 1833. Das dahinter liegende Blatt 35 ist Bopps Antwort auf Humboldts Anmerkungen und gehört zum Brief Bopps vom 21. Mai 1833. Die Anmerkungen von Humboldt auf Blatt 36, die hier ganz hinten liegen, gehören zu seinem Brief vom 16. Mai 1833 und liegen ursprünglich zeitlich zwischen Blatt 34 und 35. Wiederum eine Replik auf Bopps Erläuterungen findet sich in Humboldts Antwortschreiben vom 27. Mai 1833, dieser Brief schließt das Thema offenbar ab.
- b |Editor| Daṇḍa fehlt